Chronologie des Dorfmittenhofes

Chronologie des Dorfmittenhofes:

 

Der Dorfmittenhof gehört allein auf Grund seiner Lage im Ortszentrum von Raglitz zu den ältesten Gehöften des Dorfes. Die älteren nach wie vor in Nutzung befindlichen Mauern der Wohn- und Wirtschaftsgebäude dürften nach der Dorfchronologie um das Jahr 1850 errichtet worden sein.

 

Bis 1900 Reiterer-Haus Raglitz 21 – „Schuster Pold“

Exkurs „Widderhaus“ (= das ursprüngliche Ausnahmshaus der jeweiligen Betriebsübergeber):
ca. 1880 bekommt die Reiterertochter Nr. 61 – das Widderhaus:
Johann und Theresia Widder
Johann und Katharina Widder
Karl und Leopoldine „Poldi“ Strobl-Widder
30. März 1976: Rückkauf durch Maria und Johann Hainfellner

 

14. Jänner 1901: Betriebsübernahme durch Maria geb. Weinberger (*21.11.1875, +04.10.1958) und Josef (*13.02.1876, +04.08.1956) Hainfellner von Marie und Franz Reiterer

 

4. Jänner 1934: Betriebsübernahme durch Elisabeth geb. Scheibenreif (*31.10.1914, +28.07.1990) und Josef (*06.11.1911, +gef.in Stalingrad 21.12.1942) Hainfellner

 

23. Dezember 1963: Betriebsübernahme durch Maria geb. Seiser (*31.1.1941) und Johann (*30.06.1940, +04.08.2000) Hainfellner

 

30. Oktober 2000: Betriebsübernahme durch DI Elisabeth geb. Rigler (*20.09.1972) und Dr. Josef (*27.06.1971) Hainfellner.

 

Unser land- und forstwirtschaftlicher Betrieb „Dorfmittenhof“ ist seit Generationen Lebensgrundlage für seine Bewohner. Wenn sich auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerade in den letzten Jahrzehnten und Jahren sehr dynamisch verändert haben: Geblieben ist die Tatsache dass am Hof nach wie vor Lebensmittel aus der Landwirtschaft und Nutz- und Brennholz aus der Forstwirtschaft nachhaltig produziert werden. Dazugekommen sind vor rund 20 Jahren unsere Islandpferde, die zu Reit-, Selbstfindungs- und Erholungszwecken Verwendung finden.

 

Nebenbei bemerkt: Die Pferdezucht hat auch zu früheren Zeiten bereits eine große Rolle auf unserem Hof gespielt wie dieses Schreiben (Scan vom Original) vom Dezember 1938 belegt:

Chronologie

 

Und dennoch hat es gewaltige Veränderungen gegeben. Allein in den letzten gut 60 Jahren – also der Nachkriegszeit bis heute – haben Wandlungen stattgefunden wie es der Hof in seiner mehrhundertjährigen Geschichte wohl insgesamt noch nicht erlebt hat: So wichen Knechte und Mägde – damals noch typisch für einen gutgestellten Hof – ebenso wie die Zugtiere (Pferde und Ochsen) vermehrtem Maschineneinsatz. Kennzeichnend für diese Entwicklung war der Traktor, der auf dem Hof Einzug hielt – das „Dieselroß“.

 

Fortschritte in Forschung und Züchtung führten sowohl bei Pflanze als auch bei Tier zu erhöhten Produktionsleistungen, dazu kamen zunehmende Erkenntnisse über technische und natürliche Möglichkeiten der Produktionsoptimierung. Kennzeichnend für die Nachkriegszeit, die von Mangel geprägt war, war der Hunger nach mehr: Mehr Lebensmittel, mehr Ware, mehr Leistung – und das alles in immer kürzerer Zeit.

 

Es gab kaum eine Produktionsrichtung, die auf unserem Hof in diesen Jahren nicht durchgeführt worden wäre: von der Milchviehhaltung, der Rinder- sowie der Schweinezucht und –mast, Schafe, Ziegen, Enten, Gänse, Puten, Hasen, sogar Damwild im Gehege. Daneben Äpfel, Birnen, Zwetschken, Kirschen, Kriecherl – auch Beerenfrüchte wurden kultiviert. Und natürlich die gängigen Getreidearten, Mais, Kartoffel, Mohn, Einkorn, Dinkel und sonstige Feldfrüchte.

 

Eine breitgefächerte Vielfalt also – lehrreich für am Hof heranwachsende Kinder und deren Freundeskreis als Wissensvermittlung im Fach „Lebensgrundlage“: Ganz selbstverständlich lernt man von Kind auf, wo die Lebensmittel herkommen, wie aus Grund und Boden mit Hilfe der Kräfte der Natur Pflanzen und pflanzliche Rohstoffe gewonnen werden. Und weiter, wie mit diesen neben der Lebensmittelherstellung auch Tiere gefüttert, gemästet und gezüchtet werden um so weitere Nahrungsmittel bzw. wertvolle Zug- und Zuchttiere erlangen zu können.

 

Jahrelang wurde auch Buschenschank betrieben, sodaß mit den selbst gewonnenen Lebensmitteln direkt am Hof nicht nur die eigene Familie ernährt wurde. Und so schließt sich der Kreis: Vom Boden bis zum Teller.

 

Wenn man damit aufwächst erscheint es als allzu selbstverständlich, man gewinnt gar den Eindruck jeder andere junge Mensch in der Gesellschaft müsse über das gleiche oder zumindest vergleichbare Wissen verfügen über grundsätzliche Kreisläufe in der Natur. Z.B. dass gewachsene Dinge sich nicht einer Norm beugen, dass die Erntemenge in großem Maße neben dem Boden von Klima und Wetter abhängig ist und vieles andere mehr. Letztlich dass der Mensch Teil der Natur und der Schöpfung ist, vieles gestalten und verändern, sie aber letztlich nicht bezwingen kann. Und vor allem: Dass der Mensch die Natur und das Ökosystem „Erde“ zum Überleben zwingend braucht, umgekehrt aber der Mensch für das Ökosystem „Erde“ absolut entbehrlich ist.

Und so wie jeder seinen Körper gut behandeln sollte, damit seine Seele Lust hat in ihm zu wohnen, so sollte es auch selbstverständlich sein, daß wir gut mit der Natur umgehen sollten, damit auch den Generationen nach uns eine lebenswerte Lebensumgebung zuteil wird.

 

Heutzutage sind nur wenige Prozent der Bevölkerung aktiv in der Land- und Forstwirtschaft tätig – und das ist etwas, das es in der Geschichte bisher einfach noch nicht gegeben hat: Dieses große Ausmaß an Spezialisierung in Wissen und Produktion, diese dadurch zwangsweise große Abhängigkeit von Transport, Wissensergänzung und funktionierenden Wertschöpfungs- und Handelsketten.

 

Selbst die größten Bauernhöfe – oder sogar gerade diese – verfügen heutzutage üblicherweise über kaum nennenswerte Lebensmittelvorräte vor allem außerhalb ihrer spezialisierten Produktionssparte. Träfe – Gott bewahre – ein Krisenszenario ein – es braucht gar nichts Weltungeheuerliches sein – irgendetwas mit dem kein Mensch rechnet – und der Transport von Gütern oder der Wissensaustausch ist nur für wenige Wochen nicht möglich – schon hätten wir ernsthafteste Versorgungsprobleme mit dem Nötigsten.

Ein kleines Beispiel: Ein einfacher Vulkanausbruch auf Island, bei dem kein einziger Mensch zu Schaden gekommen ist, ein ganz normales Naturereignis, hat unlängst bewirkt, daß der Flugverkehr in Europa für einige Tage vollkommen zum Erliegen kam. Hätte jemand nur einen Tag zuvor gesagt: Stell Dir vor, in Europa kann für ein paar Tage kein Flugzeug fliegen – die Antwort wäre wohl gewesen: „Glaubst Du an einen Atomkrieg? Oder bist Du ein Apokalyptiker?“ Und dann war es so, ohne dass etwas Dramatisches vorgefallen wäre. Ein Vulkanausbruch. In einem menschenleeren Gebiet. Ein ganz normales Naturereignis. Und die Staubwolke bewirkt, dass der Flugverkehr stillsteht. Einfach so. Der Mensch kann die Natur eben nicht bezwingen.

 

Umso wichtiger erscheint es mir, daß für eine möglichst breite Bevölkerungsbasis ein Grundstock an Wissen um die grundsätzlichen Gesetzmäßigkeiten in der Natur vorhanden ist. Die Land- und Forstwirtschaft sind ein guter Zugang dazu, ebenso bzw. beinhaltet dies Grundwissen im Bereich der Botanik, Geologie, Zoologie, Medizin, Physik und auch der Mathematik. Das Wissen von heute gut einsetzen zu können, auch die technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit. Ebenso aber zu wissen, wie man auch mit einfachsten Mitteln zunächst einmal das Nötigste für den eigenen Alltag sich organisieren kann und wie man in weiterer Folge seine Aufgabe in der Gesellschaft findet und wahrnehmen kann.

 

Und zu erkennen, dass das was wir haben und was wir sind bei Gott nicht selbstverständlich ist und dafür dankbar zu sein. Alles unterliegt einem Wandel, Leben ist Dynamik, der Mensch hätte so gerne Beständigkeit, allein das Göttliche fordert die Veränderung.

 

Alles dieses findet sich in unserer Lebensphilosophie wieder – Schlagworte wie „Kreislaufwirtschaft“ „regionale Kreisläufe“ und „Nachhaltigkeit“ sowie „langfristiges Denken“ umfassen dies in hohem Maße – und wird spürbar durch das wie und was wir leben und tun auf unserem „Dorfmittenhof“.